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Nudging: Ein Stups zum gesünderen Essverhalten

Nudging

Tagtäglich müssen wir eine Essensauwahl treffen darüber was und wie viel wir zu uns nehmen. Oft treffen wir dabei Entscheidungen, welche nachteilig für unsere Gesundheit sind, obwohl wir es eigentlich besser wissen. Ist es möglich durch Nudges (engl. Anstupser) unsere Entscheidungen zu beeinflussen und unser Essverhalten in die richtige Richtung zu lenken?

Was sind Nudges?

Der Begriff wurde durch Richard Thaler und Cass Sunstein geprägt. In der Psychologie ist ein Nudge eine Information, die zum Ziel hat eine Entscheidung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Nudging kann generell verwendet werden, um Menschen zu beeinflussen: zum Beispiel in der Werbung oder der Politik.¹

Nudges sind dabei keine Anweisungen oder Verbote wie folgende Beispiele zeigen:

  • Durch voreingestelltes doppelseitiges Drucken, wird Papier eingespart, da das Ändern der Druckereinstellung für die meisten zu aufwändig ist.²
  • Die Aufforderung zum mehrmaligem Verwenden von Handtüchern in Hotels führt dazu, dass wir dies umsetzen. Wenn darauf hingewiesen wird, dass die Mehrheit der Menschen das tut, werden wir das gewünschte Verhalten eher umsetzen. ²

Nudges machen es uns also in unserer schnelllebigen Welt einfacher ohne kompliziertes Überlegen bessere Entscheidungen zu treffen.

Es gibt verschiedene Arten von Nudges wie z.B. Vereinfachung, Offenlegung von Information, Warnungen und Voreinstellungen oder Soziale Normen wie im obigen Beispiel.²

Wie du also gelernt hast, verändern Nudges unsere Entscheidungssituation. Sie sind kleine Stupser, die unser Verhalten in die richtige Richtung lenken sollen.

Nudging & Ernährung

Wie hilft Nudging uns gesünder zu ernähren?

Obwohl wir eigentlich wissen wie wir uns gesund ernähren, setzen wir es oft nicht in die Tat um. Wir lassen uns von Süßigkeiten verleiten und von günstigen Preisen beeinflussen. Wenn wir die Wahl haben, greifen wir häufig zur ungesunden Variante. Warum ist das eigentlich so?

Kahnemann bietet hierfür eine Erklärung: Die Entscheidungssituation spielt eine wichtige Rolle! Laut ihm existieren zwei verschiedene Denksysteme. Das eine ist langsam und gründlich, es wird zwischen verschiedenen Möglichkeiten abgewogen. Damit ist es auch eher unpraktisch, um alltägliche einfache Entscheidungen zu treffen. Das andere System ist eher unterbewusst, intuitiv und damit extrem schnell. Erinnerungen und Lebenserfahrung helfen dabei sich im Alltag schnell entscheiden zu können ohne große Überlegungen.³

So entscheiden wir uns auch kurzerhand für das ungesunde Lebensmittel, weil wir erfahrungsgemäß eine positive geschmackliche Erfahrung machen. Nudges setzten genau hier an. Sie sollen es uns leichter machen gute Entscheidungen zu treffen. Dadurch, dass Speisen besser positioniert werden oder zugänglicher sind, geraten sie doch wieder in den Fokus unserer Aufmerksamkeit und stellen eine Alternative dar.

Nahrungsaufnahme kann beeinflusst werden!

Dass die Nahrungsaufnahme durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird, zeigen mehrere Studien.

Zum einen kann die Portionsgröße einen Einfluss auf die Menge haben, die wir essen. In einer Studie zur Ursachen von Übergewicht wurde folgendes herausgefunden: Menschen, die sich in einem Restaurant für eine größere Portion entschieden, nahmen auch mehr Kalorien (bis 43% mehr) zu sich. Hierfür wurde ein Pasta-Gericht in der Größe variiert, aber der Preis des Gerichtes blieb gleich.⁴

Dass die Optik eine große Rolle spielt, belegt auch diese Studie: Hier wurde mit sich selbst befüllenden Suppenschüsseln gearbeitet. Es zeigte sich, dass die Einschätzung der Portionsgröße bei Leuten, die aus diesen Schüsseln aßen, nicht der in Wahrheit verspeisten Portionsgröße entsprach. Optik kann also dazu führen, dass mehr gegessen wird. Im Umkehrschluss können auch kleinere Teller dazu führen, dass weniger gegessen wird. Man denkt eine ganze Portion gegessen zu haben, obwohl es eigentlich weniger war.⁵

Interessant ist auch, dass Restaurantbesuche unsere Ernährung wahrscheinlich beeinflussen. Eine Studie aus Amerika sagt: Je häufiger im Restaurant gegessen wird, desto höher ist der Körperfettanteil bei Erwachsenen.⁶

Wie du siehst, sind wir also tatsächlich beeinflussbar, was unsere Ernährung angeht.

Welche Ernährungs-Nudges gibt es?

Ernährungs-Nudges beruhen auf einer bestimmten Anordnung oder Präsentation von Lebensmitteln, die einen größeren Anreiz für gesunde Ernährung schaffen sollen.

Für Betriebsgastronomien gibt es schon verschiedene Ansätze:

  • Verfügbarkeit: Gesunde Lebensmittel sollten in großer Vielfalt verfügbar sein und in verschiedenen Formen und Farben.
  • Präsentation, Attraktivität & Auslobung: Wenn gesunde Gerichte in schönerem Geschirr präsentiert werden oder Farbakzente gesetzt werden, greifen wir häufiger mal zu. Auch grüne Banderolen oder Smileys helfen dabei die Speisen attraktiver zu gestalten. Hilfreich kann es auch sein den Gerichten einen schönen Namen zu geben.
  • Erreichbarkeit: Gesunde Sachen sollten auf Augenhöhe bzw. Griffhöhe präsentiert werden. Auch die Position spielt eine Rolle: Wird der Salat am Anfang oder am Ende angeboten, wird er für uns sichtbarer.
  • Zusatznutzen: Salat und Gemüse als to-go Variante anzubieten, hilft uns eher mal für die gesunde variante zu entscheiden. Auch verschiedene Toppings für z.B. Salate machen uns die gesunde variante schmackhafter.⁷

Ist Nudging Manipulation?

Es gibt nicht nur Befürworter des Nudgings, denn letztendlich können damit Entscheidungen beeinflusst werden.

Nach Thaler und Sunstein müssen Nudges ethisch vertretbar sein und dem Wohle der Gesellschaft dienen. Dabei soll die Handlungsfreiheit erhalten bleiben und Nudges müssen umgangen werden können.⁸

Die Frage ist also, ob es sich um Manipulation handelt, wenn die Entscheidungsfreit erhalten bleibt und die “Stupser” völlig transparent sind. 

Natürlich ist zu bedenken, dass ein Nudge für gute als auch schlechte Zwecke verwendet werden kann. Die Bewertung, ob ein Nudge gut oder schlecht ist, kann sehr subjektiv sein.

Nudging: Fazit

Nudges sind kleine Hinweise, die uns zu Verhaltensänderungen “anstupsen” ohne unsere Wahlmöglichkeiten zu beschränken. Dies geschieht durch zusätzliche Anreize oder eine vorteilhafte Präsentation von bestimmten Wahloptionen. Nudging soll uns die gesündere, objektiv bessere Wahl schmackhafter machen. Im Bereich der Ernährung funktioniert es, indem beispielsweise Salate in einer Mensa ganz vorne angeboten werden und mit attraktiven Geschirren serviert werden sowie zusätzliche Farbakzente gesetzt werden. Dabei sollen Nudges immer transparent bleiben und dem Wohle der Gesellschaft dienen.

Quellen:

¹Stangl, W. (2022, 29. September). nudge – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
https://lexikon.stangl.eu/2828/nudge.

²Cass R. Sunstein, Nudging: A Very Short Guide, 37 J. Consumer Pol’y 583 (2014).

³Kahneman, D. (2012). Schnelles Denken, langsames Denken. München: Siedler.

⁴Diliberti N, Bordi PL, Conklin MT, Roe LS, Rolls BJ. Increased portion size leads to increased energy intake in a restaurant meal. Obes Res. 2004 Mar;12(3):562-8. doi: 10.1038/oby.2004.64. PMID: 15044675.

⁵Wansink B, Painter JE, North J. Bottomless bowls: why visual cues of portion size may influence intake. Obes Res. 2005 Jan;13(1):93-100. doi: 10.1038/oby.2005.12. PMID: 15761167.

⁶McCrory MA, Fuss PJ, Hays NP, Vinken AG, Greenberg AS, Roberts SB. Overeating in America: association between restaurant food consumption and body fatness in healthy adult men and women ages 19 to 80. Obes Res. 1999 Nov;7(6):564-71. doi: 10.1002/j.1550-8528.1999.tb00715.x. PMID: 10574515.

⁷Impulse für die Essenswahl. Handlungsempfehlungen für die Betriebsgastronomie. Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). https://www.kern.bayern.de/mam/cms03/wissenstransfer/dateien/handlungsempfehlungen-betriebsgastronomie.pdf

⁸Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt. Thaler und Sunstein. 2010

Beitragsbild: ElasticComputeFarm/Pixabay

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