Menu

“Versteckter” Zucker in Lebensmitteln

versteckter-Zucker

Es ist nicht neu, dass zu viel Zucker negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Daher wird empfohlen maximal 50 Gramm freien Zuckern pro Tag zu sich zu nehmen (bei 2000 kcal), besser noch weniger.¹ Diese Grenze ist aber sehr schnell überschritten, weil Zucker in vielen Produkten steckt, in denen er nicht vermutet wird. Aussagen wie „zuckerreduziert“ sollen uns zum kaufen anregen und sind irreführend. Wie du Zucker erkennst und warum du Werbeaussagen genauer anschauen solltest, liest du hier.

Zucker hat viele Namen

Das Zutatenverzeichnis informiert dich über alle Zutaten, die bei der Herstellung des Lebensmittels verwendet wurden. In der Liste sind die Zutaten nach Menge sortiert. Das heißt: Was ganz vorne steht, ist auch am meisten enthalten.²

Wenn im Zutatenverzeichnis „Zucker“ steht, ist das natürlich leicht zu erkennen. Aber so einfach ist das leider nicht immer, denn Zucker kann viele verschiedene Namen haben.

Insgesamt gibt es ca. 70 Bezeichnungen für Zucker oder süßende Zutaten. So kannst du dir grob merken, wie Zucker und süßende Zutaten heißen können:

  • Zutaten mit der Endung „-ose“ (wie z.B. Fruktose, Glukose, Dextrose)
  • Saft oder Sirup: z.B. Fruktosesirup oder Fruktose-Glukose-Sirup, Ahornsirup, Karamellsirup, konzentrierte Fruchtsäfte, Fruchtsaftkonzentrate
  • Fruchtzucker: Fruchtsüße, Traubensüße, Apfelsüße, Fruchtpüree, getrocknete Früchte
  • Endung “-dextrin” oder “-extrakt” wie z.B. Maltodextrin oder Malzextrakt
  • Weitere: Joghurtpulver, Magermilchpulver, Süßmolkenpulver, Inulin, Honig, Agavendicksaft, Gerstenmalz³

Zusätzlich können noch Süßungsmittel verwendet werden. Zu den Süßungsmitteln zählen sowohl die Süßstoffe als auch die Zuckeraustauschstoffe (= Zuckeralkohole). Beide sind Zusatzstoffe, die für das Süßen von Lebensmitteln genutzt werden. Süßstoffe haben eine hohe Süßkraft und sind fast kalorienfrei. Zuckeraustauschstoffe haben (bis auf Erythrit) einen höheren Energiegehalt als Süßstoffe, aber dennoch niedriger als Zucker.

SüßstoffeZuckeraustauschstoffe
Acesulfam-K (E 950)Sorbit (E 420)
Aspartam (E 951)Mannit (E 421)
Cyclamat (E 952)Isomalt (E 953)
Saccharin (E 954)Polyglycitolsirup (E 964)
Sucralose (E 955)Maltit (E 965)
Thaumatin (E 957)Lactit (E 966)
Neohesperidin DC (E 959)Xylit (E 967)
Steviolglycoside (E 960)Erythrit (E 968)
Neotam (E 961)
Acesulfam-Aspartamsalz (E 962)
Advantam (E 969)
In der EU zugelassene Süßungsmittel. Quelle: https://www.bzfe.de/lebensmittel/lebensmittelkunde/suessungsmittel/

Versteckter Zucker=unerwarteter Zucker

Letztendlich muss in der Nährwerttabelle der gesamte Zuckergehalt (Ein- und Zweifachzucker) angegeben werden. Also auch der Zucker aus Honig oder Früchten usw. Den Zuckergehalt kannst du unter “Kohlenhydrate, davon Zucker” ablesen. Daher kann man Zucker in diesem Sinne auch nicht wirklich “verstecken”. Allerdings kannst du in der Nährwerttabelle nicht unterscheiden, ob es sich um natürlichen oder zugesetzten Zucker handelt. Hierfür ist es sinnvoll die verschiedenen Begriffe für Zucker im Zutatenverzeichnis zu kennen. So weißt du aus wie vielen Zuckerarten sich der Gesamtzucker zusammensetzt.

Zucker lässt sich in der Nährwerttabelle nicht verstecken! Du kannst in der Nährwerttabelle aber nicht unterscheiden, ob es sich um natürlichen oder zugesetzten Zucker handelt.

Daher findest du manchmal “unerwarteten Zucker”, wenn du z.B. von einem Produkt mit natürlichem Zuckergehalt ausgehst und dann doch das Wort Karamellsirup im Zutatenverzeichnis findest. Zucker kann sich manchmal unerwartet in Lebensmitteln befinden oder in höherer Menge als gedacht. Zum Beispiel in:

  • Brotaufstrichen
  • Wurst, Käsezubereitungen
  • Fertigsalaten
  • Fertig-Pizza
  • Essfertigem Gemüse
  • Müslimischungen
  • u.v.m

Irreführende Werbeaussagen

Viele Hersteller werben auf Ihren Produkten mit Bezeichnungen, die uns davon ausgehen lassen, dass kein oder wenig Zucker enthalten ist. Oft ist aber dennoch mehr Zucker enthalten als wir glauben. Aufschriften wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „zuckerreduziert“ sind teilweise verwirrend. Schauen wir uns einige sogenannte Health Claims an.

Beispiel 1:

„ohne Zuckerzusatz“ heißt, dass keine zusätzlichen Ein- und Zweifachzucker oder andere Zusätze mit süßender Wirkung (wie Fruchtsüße, Fruchtsirup, Honig) enthalten sind.⁴

Aber: Ohne Zuckerzusatz heißt nicht ohne Zucker! Manche Produkte enthalten natürlicherweise Zucker z.B. Milchprodukte und auch fruchteigener Zucker kann demnach enthalten sein. Zuckeraustauschstoffe wie Maltitsirup dürfen verwendet werden!³

Beispiel 2:

„ zuckerreduziert“ bedeutet mindestens 30 % weniger Zucker als vergleichbare Produkte.

Das ermöglicht den Herstellern viel Spielraum bei der Auswahl des Vergleichsproduktes. Wird das Vergleichsprodukt mit dem höchsten Zuckergehalt genommen, sind 30 % weniger Zucker immer noch viel.

Beispiel 3:

„Ohne Zusatz von Süßungsmitteln“ bedeutet, dass weder Süßstoffe noch Zuckeraustauschstoffe (Süßungsmittel) im Produkt enthalten sein dürfen.

Im Klartext heißt das: Zucker darf enthalten sein sowie auch andere süßende Zutaten. Hier ist das Wort Süßungsmittel irritierend. Denn damit sind nur Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe gemeint, nicht aber generell süßende Zutaten.⁵

Beispiel 4:

„Süße nur aus Früchten“ oder „mit Traubensüße“: klingt gesund und nach wenig Zucker. Das täuscht, denn der Zusatz von Traubenzucker oder Obstsaft heißt nicht weniger Zucker, sondern kann durch die geringere Süßkraft eventuell sogar mehr Zucker enthalten.⁵

Fazit “versteckter” Zucker

Zucker ist in vielmehr Produkten drin als du vielleicht denkst. Er kann sich hinter verschiedenen Bezeichnungen (Zuckerarten) “verstecken” wie beispielsweise Saft und Sirup. Allerdings kannst du immer über die Nährwerttabelle den gesamten Zuckergehalt unmissverständlich erkennen. Daher kann der Zuckergehalt insgesamt nicht “versteckt” werden. Lediglich die Bezeichnungen der verschiedenen Zuckerarten im Zutatenverzeichnis können für uns Verbraucher unklar sein. Aussagen bezüglich des Zuckergehaltes wie „Ohne Zusatz von Süßungsmitteln“ sollten kritisch betrachten werden.

Empfohlene Beiträge:

Ist Kokosblütenzucker gesünder als Haushaltszucker?

Quellen:

¹https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/diabetes-zeitung/hoechstens-50-gramm-pro-tag

² Zutatenverzeichnis – Lebensmittelverband Deutschland

³Versteckte Süßmacher – Eine bundesweite Markterhebung Verbraucherzentrale Bayern e.V. 2013

Zuckergehalt – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. SH (dge-sh.de)

Zucker und Zuckerersatz: So erkennen Sie Süßmacher in Lebensmitteln | Verbraucherzentrale.de

Bild: pexels / Polina Tankilevitch

4 Comments

  • Jan
    22. Juli 2022 at 7:38

    Hallo Isa,
    danke für den interessanten Beitrag. Ich wusste nicht, dass Zucker so unterschiedliche Namen hat und dass Früchte auch als Zucker gewertet werden. Darauf achte ich Mal beim nächsten Einkauf! 😉
    Jan

    Reply
    • isabelle
      24. Juli 2022 at 11:48

      Hey Jan,
      freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat und du für den Alltag etwas mitnehmen konntest 🙂

      Reply
  • Matti
    5. Oktober 2022 at 17:12

    Toller Blog und echt informativer Beitrag!👏

    Reply

Leave a Reply