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Wann du auf Gluten verzichten solltest!

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Inzwischen ist die glutenfreie Ernährung sehr beliebt geworden. Manche Menschen müssen unbedingt auf Gluten verzichten. Für andere ist der Verzicht auf Gluten aber nicht sinnvoll. Wann du besser Gluten meiden solltest und was Zöliakie ist, erkläre ich dir in diesem Artikel.

Ist Gluten ungesund?

Nicht generell! Gluten ist ein Klebereiweiß, welches in Getreide vorkommt. Für Menschen mit einer Zöliakie (oder auch Glutensensitive Enteropathie) ist es absolut notwendig auf Gluten zu verzichten. Hier wird im Darm durch das Gluten eine Immunreaktion ausgelöst, wodurch es zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann. Bei gesunden Menschen hingegen gibt es keine pathologische Immunreaktion, wenn Gluten gegessen wird. Schauen wir uns genau an, warum das so ist.

Was ist Zöliakie und welche Rolle spielt Gluten?

Zöliakie: Definition & Symptome

Zöliakie ist eine meist erbliche, immunologische Erkrankung, die glutenabhängig ist und sich nicht nur auf den Darm beschränkt.¹

💡 Zöliakie ist keine reine Allergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Gluten!

Sie ist eine Autoimmunerkrankung. Es kommt nämlich zu einer Reaktion gegenüber dem Klebereiweiß Gluten, bzw. der Unterfraktion Gliadin. Gliadin wird im Darm durch das Enzym Transglutaminase modifiziert und hat so ein immunogenes Potential. Zudem werden Antikörper gegen den Komplex aus Enzym und verändertem Gliadin im Darm gebildet. Sie führen zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Dadurch können nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden. Die Ausprägung der Erkrankung ist bei jedem unterschiedlich.²

Man geht davon aus, das ca. 0,5 bis 1 % der Bevölkerung in Deutschland an Zöliakie erkrankt ist. Dabei erkranken häufiger Frauen als Männer. Es gibt einige Erkrankungen, die mit der Zöliakie zusammen auftreten können wie z.B. Typ 1-Diabetes oder Hashimoto-Thyreoiditis

Zöliakie ist ein “Chamäleon” und kann viele verschiedene Symptome hervorrufen! Die Symptome müssen dabei nicht immer mit dem Darm “zusammenhängen”. Einige sind z.B.:

  • Durchfälle
  • Gewichtsverlust
  • Eisenmangelanämie (häufiges Symptom bei Erwachsenen!)
  • Erbrechen/ Übelkeit
  • Erschöpfung/Müdigkeit
  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Nachtblindheit

Weitgehend ungeklärt ist, wie die entzündlichen Prozesse außerhalb des Darmes entstehen, die nicht durch den Nährstoffmangel verursacht werden.

Therapie bei Zöliakie: Auf Gluten verzichten!

Zu einer Besserung kommt es nur, wenn streng auf Gluten verzichtet wird. Solange noch Gluten in der Nahrung verzehrt wird, kommt es weiterhin zu einer Immunreaktion. Das heißt es sollte lebenslang auf Gluten verzichtet werden.³

⚠️Selbst kleinste Mengen an Gluten sollten gemieden werden: Unter 10 mg sollte man pro Tag zu sich nehmen. Zum Vergleich eine normale Ernährung beinhaltet 10-20 Gramm pro Tag.

Beim glutenfreien Getreide gibt es immer ein Risiko, dass eine Kontamination mit Gluten besteht z.B. durch den Herstellungs- oder Lagerungsprozess. Komplett auf Gluten zu verzichten ist kaum möglich. Ein Produkt gilt als glutenfrei, wenn max. 20 Milligramm pro Kilogramm enthalten sind.⁴ Manche Lebensmittel sind als „glutenfrei” gekennzeichnet. Ein verlässliches Zeichen ist die durchgestrichene Ähre auf der Verpackung, die europaweit anerkannt ist.

Diese nicht kontaminierten glutenfreien (Pseudo)Getreide/ Gewächse sind unter anderem erlaubt:
Hirse, Mais, Reis, Amaranth, Buchweizen, Quinoa, Hanf, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Kichererbsen, Soja.

https://www.zoeliakie.or.at/glutenfrei-leben/glutenfreie-ernaehrung

Wie ist das bei Glutensensitivität?

Glutensensitivität oder richtig Nicht-Zöliakie-Weizen Sensitivität: Diese Diagnose wird heiß diskutiert!

Einige Menschen reagieren mit Reizdarm-Symptomatik auf Inhaltsstoffe im Weizen, ohne eine Zöliakie zu haben. Gluten wird als ein möglicher Auslöser diskutiert, ist aber nur ein Bestandteil auf den möglicherweise reagiert werden kann, neben z.B. Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI)! Um mögliche Auslöser zu vermeiden, kann es sinnvoll sein für einen bestimmten Zeitraum den Konsum von Gluten und dadurch auch von ATI-haltigen Lebensmitteln zu reduzieren.⁶ Insgesamt sollten keine Nahrungsmittel generell gemieden werden, sinnvoll ist eine individuelle Ernährung nach Auslösefaktoren. Insgesamt fehlen langfristige Erkenntnisse zur Ernährung ohne ATIs, FODMAPS etc.

Ist es gesund freiwillig auf Gluten zu verzichten?

Du lebst nicht gesünder, wenn du ohne Notwendigkeit auf Gluten verzichtest. Denn glutenfreie Ernährung heißt auch Verzicht auf Vollkornprodukte. Diese enthalten aber gesunde Ballaststoffe. Vollkornprodukte haben aber beispielsweise positive Effekte auf das Herzkreislaufsystem.⁵

Außerdem könnte eine glutenfreie Ernährung möglicherweise zu Essstörung führen, Verstopfungen verstärken oder einen Mangel an Nährstoffen auslösen. Hinzu kommt noch, dass die Lebensqualität durch den Verzicht eingeschränkt werden kann und eine solchen Ernährung zu höheren Kosten kommen kann.⁶

Wenn du die fehlenden glutenhaltigen Lebensmittel sinnvoll ersetzt, muss die glutenfreie Ernährung aber nicht ungesund sein!

Fazit: Auf Gluten verzichten?

Leidest du an Zöliakie, ist es notwendig auf Gluten zu verzichten, da es zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut führt. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Es ist nicht ungesund Gluten zu dir zu nehmen, wenn du nicht an Zöliakie erkrankt bist. Einige Aspekte wie z.B. der Verzicht auf Vollkornprodukte sprechen sogar gegen eine glutenfreie Ernährung bei gesunden Menschen.

Wenn du dich ohne Zöliakie glutenfrei ernähren möchtest, solltest du auf eine ausgewogene Ernährung achten und einen möglichen Nährstoffmangel kompensieren.

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Quellen:

¹Innere Medizin. Herold, Gerd (2016), 978-3-9814660-5-8 (ISBN)

²https://www.dzg-online.de/

³https://celiacfacts-onlinecourses.eu/

EU-Verordnung zu Information über Gluten in Lebensmitteln

⁵Lebwohl B, Cao Y, Zong G, Hu F B, Green P H R, Neugut A I et al. Long term gluten consumption in adults without celiac disease and risk of coronary heart disease: prospective cohort study BMJ 2017; 357 :j1892 doi:10.1136/bmj.j1892

⁶Reese I, Schäfer C, Kleine-Tebbe J, Ahrens B, Bachmann O, Ballmer-Weber B, Beyer K, Bischof SC, Blümchen K, Dölle
S, Enck P, Enninger A, Huttegger I, Lämmel S, Lange L, Lepp U, Mahler V, Mönnikes H, Ockenga J, Otto B, Schnadt
S, Szepfalusi Z, Treudler R, Wassmann-Otto A, Zuberbier T, Werfel T, Worm M. Non-celiac gluten/wheat sensitivity
(NCGS) – a currently undefned disorder without validated diagnostic criteria and of unknown prevalence. Position
statement of the task force on food allergy of the German Society of Allergology and Clinical Immunology (DGAKI).
Allergo J Int 2018;27:147–51 https://doi.org/10.1007/s40629-018-0070-2

Beitragsbild: Mariana Kurnyk (pexels)

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